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Estorff & Winkler

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Estorff & Winkler: Villa in Potsdam

Die Architekten Estorff & Winkler
im Potsdam der 30er Jahre

Falk Schoß

Otto von Estorff und Gerhard Winkler prägten in den 30er Jahren wie kein anderer Architekt den Landhausstil in Potsdam und Umgebung. Gleichzeitig führten sie das seinerzeit erfolgreichste und am meisten beauftragte Potsdamer Architekturbüro.1 

Otto von Estorff (1896-1974) studierte 1920-23 an der Technischen Hochschule Berlin Charlottenburg. 1923-25 folgte eine Ausbildung im Baubüro der Reichsbank unter Heinrich Wolff und 1926 die Ernennung zum Regierungsbaumeister. 1927 gründeten von Estorff und sein Studienfreund Gerhard Winkler (1898-1975) in Potsdam eine Architekten-Sozietät, in der auch Ottos älterer Bruder Hans von Estorff mitarbeitete. Man befaßte sich vor allem mit Entwurf und Realisierung von Wohnhäusern im Landhausstil und verzeichnete damit in Potsdam und den umliegenden Berliner Vororten große Erfolge.2 

Bekannt wurde das Büro Estorff & Winkler durch eine Vielzahl von Einfamilienhäusern in der Nauener und Berliner Vorstadt (z.B. Landhausgruppe in der Schwanenallee), zahlreiche Siedlungshäuser in der Forststraße, Gontardstraße und Sonnenlandstraße und durch Siedlungen wie z.B. die sogenannte Estorff-Siedlung am Neuen Garten. Dabei stand das Büro für einen handwerklich gediegenen und konservativen Baustil.1

Ihren Ursprung hat die Estorff-Winklersche Formensprache in der „Bauen-um-1800“-Bewegung.3 Kennzeichnend für die zudem von den Architekten der Frankfurter Schule beeinflußten, konservativen Entwürfe Estorff & Winklers sind ein- bis zweigeschossige schlichte Baukörper – oft mit einem Anbau oder Seitenflügel, symmetrische Fassadengliederung, ein ausladendes, ziegelrotes Walmdach mit Aufschieblingen und Fledermausgauben, heller, schlichter Außenputz – gelegentlich mit sparsamen Fassadenelementen sowie weiße Sprossenfenster mit dunkelgrünen Fensterläden. Im Erdgeschoß dominieren oft Terrassentüren. Die geschickte Kombination dieser Elemente ließ Bauwerke entstehen, die eine gewisse Leichtigkeit mit schlichter, zeitloser Eleganz vereinen. 

Ab 1935 entstanden daneben auch einige Bauten im bis in die NS-Zeit beliebten, oft trutzig wirkenden Heimatschutzstil (z.B. Langhansstr. 2-4). 


DER BORNIMER STIL 

Estorff & Winkler arbeiteten häufig mit den Garten- und Landschafts-Architekten des „Bornimer Kreises“ – Karl Foerster, Hermann Matern und Herta Hammerbacher zusammen. Kennzeichnend für den „Bornimer Stil“ ist ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Landhaus und dazugehörigem Garten. So sind Haus und Garten als Einheit zu verstehen, wobei dem Garten die Funktion einer Erweiterung des Hauses, also eines zusätzlichen Raumes zukommt.4

Bekanntes Beispiel für diese Zusammenarbeit ist die sogenannte Estorff-Siedlung in der Nauener Vorstadt Potsdams. Zwischen Großer Weinmeisterstraße und Am Neuen Garten – also in unmittelbarer Nähe zum Schloß Cecilienhof – errichteten Estorff & Winkler zwischen 1929 und 1939 eine Landhaussiedlung mit insgesamt 36 Wohnhäusern. Die Gestaltung der dazugehörigen Gärten übernahm die Arbeitsgemeinschaft Foerster/Mattern/Hammerbacher.5 


EPILOG 

Die Erfolgsgeschichte Estorff & Winklers währte nur bis zum Beginn des Weltkrieges. 1948 siedelte Otto von Estorff dann nach Menden (Sauerland) über und plante dort unter anderem Wohnbauten für die Erweiterung Bonns zur Bundeshauptstadt.[2] Gerhard Winkler gehörte zu den letzten zehntausend Kriegsgefangenen, die erst 1955 aus der Sowjetunion heimkehrten. Er übersiedelte nach Bonn und führte dort bis 1975 ein Atelier, in dem bis 1974 auch v. Estorff mitarbeitete.6 


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1 Potsdam-Lexikon, Stadtgeschichte von A bis Z, Verlag für Berlin-Brandenburg,
   2010
2 Otto v. Estorff bei archINFORM Architektur-Datenbank
3 Frank Schmitz: Landhäuser in Berlin 1933-45, Gebr. Mann Verlag,
   Berlin 2007
4 Karl-Foerster-Stiftung: Der Bornimer Kreis, Verlag Eugen Ulmer 2004
5 Catrin During, Albrecht Ecke: Gebaut! Architekturführer Potsdam, Lukas
   Verlag, 2007
6 Berliner Morgenpost vom 25.09.2002